Was bedeutet Europa für Griechenland heute? Welche Rolle spielt dabei Deutschland, wirtschaftsstärkste Nation, größter Befürworter und Profiteur Europas? Der Film Lalas EUropa gibt einen persönlichen Einblick in das Leben einer griechischen Familie in Europa. Wir erzählen ein europäisches Drama in drei Akten: Krise, Hoffnung, Verdruss. Der Film endet offen mit Aufnahmen der griechischen Wahlen im Juli 2019. Wie geht es weiter für die Familie und Griechenland? No future, no hope?

Ziel des Films

Die seit 2010 laufende Finanzkrise in Griechenland ist sehr komplex und die Diskussionen darüber verlaufen äußerst polarisierend. Mit Lalas EUropa wollen wir diese Komplexität etwas entwirren und zeigen, wie Griechinnen in Berlin und Athen die Krise wahrnehmen und welche Bedeutung sie für ihr Leben hat. Anhand der persönlichen Geschichten des Einzelnen wollen wir historische und wirtschaftliche Perspektiven erschließen. Im Zentrum steht die aufgrund der Eurokrise von Athen nach Berlin gezogene Katerina mit ihrer Tochter Lala.

 

 

Es ist uns wichtig, mit der gängigen medialen Darstellung Griechenlands zu brechen und die Ereignisse während der Krise in Griechenland neu aufzuarbeiten. Katerinas Familie begleitet uns durch alle Themen. Wo Erklärungsbedarf besteht, arbeiten wir mit Kompilationen von historischen Aufnahmen. Der Film erhält so eine geschichtliche Tiefe und kann aktuelle politische Geschehnisse besser kontextualisieren. Welche historischen Ereignisse prägten das deutsch-griechische Verhältnis? Wie spiegelt sich die geteilte Vergangenheit der beiden Länder in der Gegenwart? Wir stellen die Geschichte und Mechanismen in der EU-Politik so dar, dass Leute, die sich bisher kaum mit der Krise beschäftigt haben, der Thematik folgen können.

 

Zum Film

In Lalas EUropa steht eine griechische Familie im Mittelpunkt. Katerina und ihre Tochter Lala verbinden die Geschichten der verschiedenen Familienmitglieder. Während wir sie in ihrem Alltag in Berlin mit ihrem Mann Vasilis und ihrer Stieftochter Nefeli sehen, erleben wir sie bei einem Aufenthalt in Athen mit ihrer Schwester, Mutter, Großmutter und Schwiegermutter. Das Leben in den zwei Städten verläuft im Film parallel.

Die Kamera war stets bei vielen und langen Besuchen bei der Familie dabei. So ergaben sich zahlreiche beobachtende Aufnahmen des Alltags. Zudem wurden mit allen Familienmitgliedern lange Interviews gedreht.

 

Lala ist als jüngstes Familienmitglied die einzige, die sich zu den politischen Geschehnissen rund um Griechenland-Deutschland, EU und Krise nicht äußern kann. Doch ist sie es, die Athen und Berlin, Katerinas und Vasilis’ Familie, Vergangenheit und Zukunft verbindet. Lala steht für die Zukunft. In welcher Europäischen Union wird sie leben?

 

Relevanz des Themas - die Aktualität der Krise

Am 20. August 2018 lief das letzte Hilfspaket der EU an Griechenland aus. Während die EU-Politiker das “Ende der Krise” feiern und EU-Ratspräsident Donald Tusk der griechischen Bevölkerung auf Twitter gratuliert: “Ihr habt es geschafft!”, will Lalas EUropa zeigen, wieso ein Ende der Hilfspakete nicht auch das Ende der Krise bedeutet. Die von der Troika auferlegten Sparprogramme haben Griechenland nachhaltig verändert und werden so schnell kein Ende finden. Eine halbe Million Griechinnen und Griechen sind seit Beginn der Krise emigriert und noch immer entscheiden sich viele für eine Auswanderung. Unter ihnen ist auch Katerina mit ihrer Familie.

In Lalas EUropa erzählen sie die Eurokrise. Dabei kommen vier Generationen zu Wort und rücken die Beziehung zu Deutschland als “Krisen-Geldgeber” jeweils in das Licht ihrer eigenen, zeitbedingten Erfahrungen: Von der Besatzung der Wehrmacht in Athen über die Jahre als Gastarbeiterin in Deutschland und den Eintritt Griechenlands in die EU bis hin zu den Auswirkungen der Eurokrise auf das eigene Leben.

 

Hintergrund zum Thema

Deutschland gilt als stärkster, Griechenland als schwächster Staat der Europäischen Union. Lediglich die idealisierte Wahrnehmung von Griechenland als Wiege der Demokratie (oder als Garant für die Versorgung nordischer Touristen mit Sonne, Wärme und Herzlichkeit) legitimiert für viele seinen Verbleib in der EU. Als 2010 die Eurokrise Griechenland erreichte, war es vor allem die deutsche Regierung, die dem Land eine rigide Austeritätspolitik aufzwang - als Bedingung für das bislang größte "Hilfsprogramm" in der Geschichte der EU. Inzwischen hat das griechische Bruttoinlandsprodukt sich um 25% verringert, die Arbeitslosigkeit ist auf 20% gestiegen. Doch Deutschland hält am Spardiktat fest.

Begleitet wurde all das durch aggressive Medienkampagne. Während man in Deutschland gegen die faulen Griechen wetterte, deren verschwenderischer Lebensstil nun vom hart arbeitenden deutschen Steuerzahler finanziert werden müsse, gewann in Griechenland wieder das Bild des harten, herzlosen, herrischen Deutschen an Popularität. Ihren medialen Höhepunkt erreichte die deutsche Empörung über die "Pleitegriechen" 2015, als die linke Syriza-Partei die meisten Stimmen bei den Parlamentswahlen erhielt und eine Regierung bilden konnte, die nicht zu machen drohte, was die von Deutschland dominierte EU dem Land verordnet hatte.

Angesichts dieser ressentimentgeladenen Debatten betrachten wir das deutsch-griechische Verhältnis in seinem geschichtlichen Kontext: vom deutschen König Griechenlands, Otto, und dem Philhellenismus des 19. Jahrhunderts über die deutsche Besatzung und NS-Verbrechen in Griechenland, griechische Gastarbeiterinnen in Deutschland bis hin zum Verhältnis zweier Mitgliedstaaten in einer gemeinsamen Europäischen Union. Damit möchten wir die Absurditäten und die Gewissenlosigkeit der Austeritätspolitik und der zunächst nur medial erscheinenden Kampagne gegen Griechenland aufzeigen.

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